Die Idee einer strukturierten Entwicklung heterogenitätsorientierter Lehrkompetenz

Dem Portal het.kom liegt das Verständnis einer heterogenitätsorientierten Lehr- und Studienkultur zugrunde, welche im Kontext gesellschaftlicher Veränderungsprozesse als Entwicklungsfeld für eine „Hochschule der Zukunft“ [1] eröffnet und beispielsweise im sqb-Projekt HELES aufgegriffen worden ist.

Heterogenitätsorientierte Lehre muss fachspezifisch entwickelt werden, da zwischen verschiedenen Fachgebieten deutliche Unterschiede hinsichtlich Lehrangebot, Haltung der Lehrenden zur didaktischen Weiterentwicklung und Erwartungshaltung der Studierenden bestehen. Eine breite Auseinandersetzung mit Heterogenitätsaspekten aus fachspezifischer Sicht gibt es im Hochschulbereich allerdings bisher nur vereinzelt. Deshalb ist die Entwicklung heterogenitätsorientierter Lehrkonzepte entlang der kulturellen Besonderheiten und fachdisziplinären Erfordernissen in den verschiedenen Fachkontexten voranzubringen und praxisnah zu unterstützen. [2]

Vor diesem Hintergrund gilt es, das didaktische Handeln Lehrender fachspezifisch zu entwickeln und dabei Heterogenitätsorientierung in der Lehrpraxis systematisch zu verankern. Heterogenitätsorientierte Lehrkompetenz umfasst dabei zuvorderst, die konkrete Lehrpraxis in Bezug auf die heterogen zusammengesetzte Studierendenschaft reflektieren und systematisch weiterentwickeln zu können. [3]

Wir gehen davon aus, dass die strukturierte Entwicklung von heterogenitätsorientierten Lehrkompetenzen gefördert werden kann durch:

  • die fachübergreifende Anwendung und Vernetzung von Best Practice Lehrkonzepten verschiedener Fachdisziplinen
  • die Reflexion, Analyse und Weiterentwicklung der Lehrpraxen basierend auf einem heterogenitätsdidaktischen Referenzmodell
  • fachspezifische didaktische Modelle für den Umgang mit Heterogenität in der konkreten Lehrpraxis

Eine solche Kompetenzentwicklung Hochschullehrender, die aus einer fachspezifischen Sicht sowohl die Heterogenität der Studierendenschaft als auch die Heterogenität des Fachgegenstandes berücksichtigen, soll mit dem Portal het.kom unterstützt werden.

Das Portal het.kom: Ein digitales Unterstützungsangebot zur Förderung heterogenitätsorientierter Lehrkompetenz

Mit dem Portal het.kom stellt das Netzwerk Studienqualität Brandenburg (sqb) ein digitales Angebot für Hochschullehrende zur Selbstqualifizierung im Umgang mit Heterogenität in der Lehre bereit.

In verschiedenen Formaten veröffentlichen Hochschullehrende aus den Brandenburgischen Hochschulen – open access – ihre Lehrkonzepte zum Umgang mit Heterogenität in ihrer Lehre. Das Portal systematisiert die Veröffentlichungen in einer Toolbox für die fachbezogene Nutzung und fachübergreifende Anwendung von didaktisch-methodischen Ansätzen und Best Practices der Lehre.

Die Portaleinträge – Videoclips, Konzeptbausteine, Blog-Beiträge und heterogenitätsdidaktische Materialien –  sind nach vier Fachclustern kategorisiert, sodass eine schnelle Orientierung zu den verschiedenen Fachdisziplinen und Lehrkontexten möglich ist. Die Fachcluster werden ferner herangezogen, um Vergleiche anzustellen, Beobachtungen und Erfahrungen in den verschiedenenen Fachkontexten diskutierbar zu machen und Strategien in der Lehre zu modifizieren und transferfähig zu machen. [4]

Mit dem Portal het.kom steht für alle Lehrenden an den Brandenburgischen Hochschulen eine frei zugängliche Plattform zum kollegialen Austausch über die Lehrpraxis bereit. Der Einbezug von Studierendenperspektiven in den Dialog um Heterogenität in der Lehre soll dabei unbedingt berücksichtigt werden. Hierfür ist der het.blog eingerichtet, wo Lehrende und Studierende über ihre Lehr- und Lernerfahrungen mit Heterogenität in Lehre und Studium bloggen können. Ebenso können bei allen Portaleinträgen die Kommentarfelder für einen offenen Erfahrungsaustausch genutzt werden.

 


[1] Vgl. Wild, E. &  Esdar, W. (2014): Eine heterogenitätsorientierte Lehr-/Lernkultur für eine Hochschule der Zukunft. – Fachgutachten im Rahmen HRK Projekts NEXUS.

[2] Vgl. Kerres, M. u. a. (2012): Implikationen einer konsequenten Öffnung der Hochschule für lebenslanges Lernen – eine Schlussbetrachtung. In: Kerres, M. u. a. (Hg.): Studium 2020. Positionen und Perspektiven zum lebenslangen Lernen an Hochschulen. Münster/New York, S. 288.

[3] Vgl. Hahm, E. (2015): Diversity-Kompetenz im Bereich der Hochschullehre – Ein zentraler Baustein hochschuldidaktischer Lehrkompetenz. in: Greifswalder Beiträge zur Hochschullehre, Heft 2/2015, S.6-24.

[4] Vgl. Huber, L. (2011): Fachkulturen und Hochschuldidaktik. In: Weil, M. u. a. (Hg.): Aktionsfelder der Hochschuldidaktik. Von der Weiterbildung zum Diskurs. Waxmann, S. 116.